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2003
 

 
  
 

08.03.2006

Wieses Hechtrolle ins Verderben
Werders Torhüter leistet sich kurz vor dem Abpfiff einen kapitalen Fehler und die Bremer scheiden bei Juventus Turin aus

Juventus Turin - Werder Bremen 2:1

Er hätte der Held des Abends sein müssen, aber am Ende stand er als Trauerkloß da: 89 Minuten war Werders Torwart Tim Wiese gestern Abend im Champions-League-Achtelfinale bei Juventus Turin ein Weltklassemann, aber dann ließ er den Ball im Strafraum fallen, und Emerson traf zum 2:1-Sieg. In einem bitteren Spiel ist Bremen damit ausgeschieden.

Die weiteren Tore erzielten Johan Micoud (13.) für Bremen und David Trezeguet (65.) für Turin.

Werder ist mit einer großen Befürchtung in die erste Halbzeit gegangen: Sollte Juventus mit 1:0 in Führung gehen, wäre alles aus. Eine Mannschaft von der Klasse Turins würde einen solchen Vorteil nicht mehr aus der Hand geben. Das machte die Bremer Profis aber nur ein paar Minuten nervös.
Von Anfang an wollten sie so überzeugend auftreten - wie im grandiosen Hinspiel. Nach zehn Minuten klappte das auch. Es war sogar noch ein bisschen besser, denn diesmal spielte Juve konzentrierter als vor zwei Wochen im Weserstadion. Darauf stellte sich Werder ein. Die Spieler von Trainer Thomas Schaaf ließen nicht nur den Ball wieder elegant von Station zu Station wandern, sie waren diesmal auch in der Abwehr auf dem Posten. Und Naldo machte sein bestes Spiel, seit er in Bremen ist. Er stand nicht nur stets am richtigen Ort, er machte dann auch das Richtige: Mal köpfte er, mal drosch er den Ball weg, mal tickte er ihn leicht zum Nebenspieler. Und wenn es ganz kritisch wurde, haute er ihn ins Aus.

Das fanden die gut 2200 Bremer Fans schon ziemlich gut. Aber die Offensive begeisterte sie noch viel mehr. Vor allem die Aktion in der 13. Minute: Christian Schulz passte in den Strafraum auf Johan Micoud, der sich in bester Mittelstürmer-Manier genau im richtigen Moment löste, deswegen nicht im Abseits stand - und das 1:0 schoss.

Professionell hielten sich die Werder-Profis aber nicht mit Jubeln auf, sondern konzentrierten sich auf das, was nun nötig war: Tore verhindern. Und wie ihr Trainer es immer wieder fordert: Alle Spieler machten mit. Sie blieben bissig dran, gaben keinen Ball verloren, konzentriert wie selten in dieser Saison standen die Bremer dicht an ihren Gegenspielern und kauften ihnen so den Schneid ab.

 
 


Je länger die Partie dauerte, desto mehr löste Torwart Tim Wiese seinen Abwehrchef Naldo in der Hauptrolle der Defensive ab. Gestern ist der verletzte Andreas Reinke trotz der 89. Minute endgültig zum Ersatztorwart geworden. Er wird nie wieder die Nummer Eins bei Werder werden können, so gut war Wiese.

Allein in der 44. Minute rettete er drei Mal. Juve probierte es mit Kopfball-Raketen, mit Drehschüssen aus kurzer Entfernung, tückischen Freistößen und mit gefährlichen Flanken, die Wiese wegfischte.
Wie im Hinspiel erhöhte Turin in der zweiten Halbzeit den Druck, und wie vor zwei Wochen verloren die Bremer dabei ein bisschen die Linie.

Konterchancen vergeben

Aber je länger sie zurücklagen, desto verzweifelter wurden auch die sonst so abgebrühten Turiner. Der 0:1-Rückstand war eine furchtbare Belastung. Sie wussten: Selbst mit einem 1:1 würden sie ausscheiden. Nach einer Stunde häuften sich so die Bremer Konterchancen, die leichtfertig vergeben wurden.

Das rächte sich in der 65. Minute: Trezeguet traf zum 1:1-Ausgleich. Von da an brillierte das Weltklasse-Ensemble aus Turin. Weil Juve immer offener stürmte, gab es trotzdem Chancen. Aber in den Abwehraktionen wirkten die Spieler erschöpft, leisteten sich haarsträubende Fehler und verloren die Bälle. Jetzt agierten die Bremer wie die Außenseiter, die sie tatsächlich waren. Fast das einzige Mittel der Schluss-Viertelstunde waren Befreiungsschläge nach vorne.

Weil auch Juve alle Ordnung verlor, war's kein schönes Spiel. Aber entsetzlich spannend. Und mit einem schrecklichen Ende für Bremen.

Author: Torsten Melchers / Nordsee-Zeitung