| | 09.12.2005 Fußball
macht glücklich Werders 5:1 und ein Tor in 1200 Kilometern Entfernung
verzaubern die 38 000 Fans im Weserstadion Ein
Geräusch war der Star des Fußballabends im Weserstadion. Es war der
Schrei von ein paar hundert Menschen, deren Radio gerade das 1:0 von Barcelona
verkündete. In diesem Ruf lag erst ungläubiges Staunen und kurz darauf
taumelnde Freude. Eine Sekunde später schwappte diese Freude laut und machtvoll
durchs ganze Stadion. Diese
85. Minute war ein unfassbarer Massenrausch. 38 000 Werder-Fans standen auf den
Sitzen. Sie trampelten mit den Füßen, sie klatschten und sangen, sie
wussten nicht, wohin mit ihrer überschäumenden Begeisterung. Werder
hatte es doch noch ins Achtelfinale der Champions League geschafft, weil Udinese
Calcio zu Hause gegen den FC Barcelona verloren und Bremen mit 5:1 gegen Panathinaikos
Athen gewonnen hat. Selten ist ein Tor so bejubelt worden, das in 1200 Kilometer
Entfernung gefallen ist.
Und
selten hat es sich mehr gelohnt, ins Stadion zu kommen. Sicher haben sich auch
die Werder-Fans vorm Fernseher gefreut, als dort Barcelonas Tor vermeldet wurde.
Aber ein Rausch war es nur dank der Gemeinschaft der 38 000. In der 85. Minute
hat der Fußball seine Anhänger glücklich gemacht. Die Spieler
ließen sich von dieser Gänsehaut-Stimmung mitreißen. Bei ihrer
Ehrenrunde liefen sie nicht, sie schritten langsam an den jubelnden Zuschauern
vorbei und sogen den Zauber des Abends in sich auf. Die Stadionregie trug ihren
Teil zur Atmosphäre bei: Nach dem Schlusspfiff des Werderspiels ließ
sie die letzten Minuten des Barcelona-Spiels in Udine live auf der Videoleinwand
laufen. Das hat es im Weserstadion nie zuvor gegeben.
Und anschließend
wurde den seligen Zuschauern noch einmal gezeigt, was sie kurz zuvor selbst erlebt
hatten. Denn schon vor der 85. Minute herrschte im Weserstadion prächtige
Laune.
Gegen Panathinaikos hat Werder Bremen eine Gala-Vorstellung gegeben.
Schon vor dem Spiel war klar, dass ein Sieg her musste, egal wie. Nur so konnte
das Team von Trainer Thomas Schaaf sich wenigstens für den Uefa-Pokal qualifizieren.
Also
spielte seine Mannschaft auf Sieg. Niemand hat gejammert, dass Ivan Klasnic fehlte
und dass Tim Borowski kurzfristig ausfiel. Die schlechten Nachrichten werden in
Bremen ignoriert, und die guten bejubelt. |