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2003
 

 
  
 

09.12.2005

Fußball macht glücklich
Werders 5:1 und ein Tor in 1200 Kilometern Entfernung verzaubern die 38 000 Fans im Weserstadion

Ein Geräusch war der Star des Fußballabends im Weserstadion. Es war der Schrei von ein paar hundert Menschen, deren Radio gerade das 1:0 von Barcelona verkündete. In diesem Ruf lag erst ungläubiges Staunen und kurz darauf taumelnde Freude. Eine Sekunde später schwappte diese Freude laut und machtvoll durchs ganze Stadion.

Diese 85. Minute war ein unfassbarer Massenrausch. 38 000 Werder-Fans standen auf den Sitzen. Sie trampelten mit den Füßen, sie klatschten und sangen, sie wussten nicht, wohin mit ihrer überschäumenden Begeisterung. Werder hatte es doch noch ins Achtelfinale der Champions League geschafft, weil Udinese Calcio zu Hause gegen den FC Barcelona verloren und Bremen mit 5:1 gegen Panathinaikos Athen gewonnen hat.
Selten ist ein Tor so bejubelt worden, das in 1200 Kilometer Entfernung gefallen ist.

Und selten hat es sich mehr gelohnt, ins Stadion zu kommen. Sicher haben sich auch die Werder-Fans vorm Fernseher gefreut, als dort Barcelonas Tor vermeldet wurde. Aber ein Rausch war es nur dank der Gemeinschaft der 38 000. In der 85. Minute hat der Fußball seine Anhänger glücklich gemacht.
Die Spieler ließen sich von dieser Gänsehaut-Stimmung mitreißen. Bei ihrer Ehrenrunde liefen sie nicht, sie schritten langsam an den jubelnden Zuschauern vorbei und sogen den Zauber des Abends in sich auf. Die Stadionregie trug ihren Teil zur Atmosphäre bei: Nach dem Schlusspfiff des Werderspiels ließ sie die letzten Minuten des Barcelona-Spiels in Udine live auf der Videoleinwand laufen. Das hat es im Weserstadion nie zuvor gegeben.

Und anschließend wurde den seligen Zuschauern noch einmal gezeigt, was sie kurz zuvor selbst erlebt hatten. Denn schon vor der 85. Minute herrschte im Weserstadion prächtige Laune.

Gegen Panathinaikos hat Werder Bremen eine Gala-Vorstellung gegeben. Schon vor dem Spiel war klar, dass ein Sieg her musste, egal wie. Nur so konnte das Team von Trainer Thomas Schaaf sich wenigstens für den Uefa-Pokal qualifizieren.

Also spielte seine Mannschaft auf Sieg. Niemand hat gejammert, dass Ivan Klasnic fehlte und dass Tim Borowski kurzfristig ausfiel. Die schlechten Nachrichten werden in Bremen ignoriert, und die guten bejubelt.

 
 

Die beste Nachricht kam noch vorm Anpfiff: Nur zwei Wochen nach seinem Jochbeinbruch stand Stürmer Miroslav Klose wieder zur Verfügung - und spielte, als sei nichts gewesen. Seine Maske verlieh ihm ein fremdes Aussehen, aber das irritierte die Zuschauer mehr als ihn selbst.

Die weiteren guten Nachrichten lieferte die Mannschaft dann im Schnelldurchgang. Die Abwehr stand stabil, der Sturm wirbelte endlich auch auf europäischer Ebene wie seit Wochen in der Bundesliga. Und im Mittelfeld spielte ein Meister. Der Franzose Johan Micoud absolvierte eine glänzende Partie. Der beste Mann auf dem Platz schlug schöne Pässe, stand immer richtig, motivierte seine Kameraden - und schoss das erste Tor. Das war in der 2. Minute, ein Elfmeter nach Foul an Klose. Noch vor der Pause machte Nelson Valdez mit zwei Toren alles klar. In der zweiten Halbzeit traf Klose zum 4:0, und Nasief Morris traf für Athen.

Aber es gab keine Nachricht aus Udine. Trotz des Bremer Kantersiegs drohte deshalb nur matte Freude beim Schlusspfiff, denn der Traum von der Champions League schien zu Ende. Alle wussten schließlich, dass die längst als Gruppenerste feststehende Startruppe vom FC Barcelona nur mit einer B-Mannschaft nach Italien gereist war. Aber die Superstars aus Spanien ließen sich nicht hängen und kurz vor Schluss wurden sie belohnt. Die Kunde davon hat die Bremer glücklich gemacht.

Author: Torsten Melchers / Nordsee-Zeitung