| | 13.03.2006 Werder
wieder wie ein Sozial-Verein Erneut bauen die Bremer einen kriselnden Klub
auf - Die Bremer lassen zu viele Punkte unbeachtet
Werder Bremen 0:3 Hertha
BSC
Bremen. "Wir sind Tim Wiese". Auf rosa Zetteln bereiteten
die Zuschauer im Weserstadion dem Bremer Torhüter einen aufmunternden Empfang.
Sie haben ihm den entscheidenden Patzer beim 1:2 in Turin verziehen. Sie
hätten das Papier nach dem 1:0 für Hertha BSC wieder in die Höhe
halten können. Doch sie ließen es. Wiese hat nach einem Freistoß
von Marcelinho wieder gepatzt und Boateng die Gelegenheit gegeben, mit Hertha
auf die Siegerstraße einzubiegen. "Dumm gelaufen", kommentierte
Wiese seinen Fehler. Dumm war er gelaufen und nicht schnell genug.
Aber
an Wiese allein kann man den erneuten Tiefschlag für Werder nach dem Aus
in der Champions League nicht festmachen. Bis auf Fahrenhorst, der schon in der
Anfangsphase alle Füße voll zu tun hatte, um Berliner Treffer zu verhindern,
blieben alle Bremer weit unter ihren Möglichkeiten. Es schien, als trügen
die Bremer Schuhsohlen aus Blei, während die Berliner sich leichtfüßig
den Werderanern entgegenstellten und einen Schritt Vorsprung hatten. Eine Direktabnahme
von Borowski nach Flanke von Klasnic zu Beginn, war zu verzeichnen. Ein Lattenkracher
von Klasnic kurz nach der Pause mit folgendem Kopfball von Klose ins Tor schien
die Bremer aufwachen zu lassen. Doch Schiedsrichter Fleischer in seinem blutroten
Hemd erkannte richtig auf Abseits. Einen weiteren Kopfball wehrte Herthas Torhüter
Fiedler reaktionsschnell ab. Mehr war nicht im Angebot. Viel zu wenig für
eine Mannschaft mit größeren internationalen Ambitionen, der jetzt
als realistisches Ziel nur noch Platz zwei bleibt.
Erstaunlich, wie viele
Punkte Werder in der Rückrunde liegen ließ. Drei jeweils gegen Kaiserslautern
und Hertha. Zwei in Stuttgart - man hätte Bayern gut auf den Pelz rücken
können. "Das SV heißt doch nicht Sozial-Verein", packte Werders
Sportdirektor Allofs seine Enttäuschung in Ironie. Trainer Schaaf gab sich
knapp: "Wir konnten nicht das umsetzen, was wir uns vorgenommen hatten."
Innerlich aber brodelte es bei Schaaf und Allofs. Und bei den Zuschauern, von
denen ein Großteil den Schlusspfiff nicht mehr miterlebte. Enttäuschend
die Vorstellung. So viele Fehler kann Wiese in fünf Spielzeiten gar nicht
machen, was sich seine Vorderleute leisteten. |