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2003
 

 
  
 

13.03.2006

Werder wieder wie ein Sozial-Verein
Erneut bauen die Bremer einen kriselnden Klub auf - Die Bremer lassen zu viele Punkte unbeachtet

Werder Bremen 0:3 Hertha BSC

Bremen. "Wir sind Tim Wiese". Auf rosa Zetteln bereiteten die Zuschauer im Weserstadion dem Bremer Torhüter einen aufmunternden Empfang. Sie haben ihm den entscheidenden Patzer beim 1:2 in Turin verziehen.

Sie hätten das Papier nach dem 1:0 für Hertha BSC wieder in die Höhe halten können. Doch sie ließen es. Wiese hat nach einem Freistoß von Marcelinho wieder gepatzt und Boateng die Gelegenheit gegeben, mit Hertha auf die Siegerstraße einzubiegen. "Dumm gelaufen", kommentierte Wiese seinen Fehler. Dumm war er gelaufen und nicht schnell genug.

Aber an Wiese allein kann man den erneuten Tiefschlag für Werder nach dem Aus in der Champions League nicht festmachen. Bis auf Fahrenhorst, der schon in der Anfangsphase alle Füße voll zu tun hatte, um Berliner Treffer zu verhindern, blieben alle Bremer weit unter ihren Möglichkeiten. Es schien, als trügen die Bremer Schuhsohlen aus Blei, während die Berliner sich leichtfüßig den Werderanern entgegenstellten und einen Schritt Vorsprung hatten.
Eine Direktabnahme von Borowski nach Flanke von Klasnic zu Beginn, war zu verzeichnen. Ein Lattenkracher von Klasnic kurz nach der Pause mit folgendem Kopfball von Klose ins Tor schien die Bremer aufwachen zu lassen. Doch Schiedsrichter Fleischer in seinem blutroten Hemd erkannte richtig auf Abseits. Einen weiteren Kopfball wehrte Herthas Torhüter Fiedler reaktionsschnell ab. Mehr war nicht im Angebot. Viel zu wenig für eine Mannschaft mit größeren internationalen Ambitionen, der jetzt als realistisches Ziel nur noch Platz zwei bleibt.

Erstaunlich, wie viele Punkte Werder in der Rückrunde liegen ließ. Drei jeweils gegen Kaiserslautern und Hertha. Zwei in Stuttgart - man hätte Bayern gut auf den Pelz rücken können. "Das SV heißt doch nicht Sozial-Verein", packte Werders Sportdirektor Allofs seine Enttäuschung in Ironie. Trainer Schaaf gab sich knapp: "Wir konnten nicht das umsetzen, was wir uns vorgenommen hatten." Innerlich aber brodelte es bei Schaaf und Allofs.
Und bei den Zuschauern, von denen ein Großteil den Schlusspfiff nicht mehr miterlebte. Enttäuschend die Vorstellung. So viele Fehler kann Wiese in fünf Spielzeiten gar nicht machen, was sich seine Vorderleute leisteten.

 
 

Nachdem Micoud mit Muskelproblemen den Platz verlassen musste, lief nichts mehr. Frings brachte kaum eine Flanke zu Stande, Borowski lief hinter der Musik her wie die schwerfälligen Klasnic oder Klose. Jensen übertrieb mit seinen Zuspielen mit der Hacke. Sagen wir es so: Der Ball kam bei den weitgehend automatisierten Bremer Kombinationen dahin wo er sollte - leider waren die Mitspieler nicht dort.

Hertha BSC kam als schlechteste Mannschaft der Rückrunde, Kaiserslautern als tot gesagtes Schlusslicht. Beide gewannen. Durch Kontertore. "Wir werden vor den Problemen nicht die Augen verschließen", sagte Allofs. Es wird immer enger im Kampf um einen Platz in der Champions League. Dort lassen sich zehn Millionen Euro verdienen, im Uefa-Cup braucht man dafür gute zwei Spielzeiten. Aufwachen, Werder.


Author: Erich Willmann/ Nordsee-Zeitung