| | 19.12.2000 Werder
Bremen schon im freien Fall In der Mannschaft kriselt es seit langem Mit
der Schönrederei ist es vorbei beim SV Werder Bremen. Nach dem 3:8-Debakel
(2:5 in Rostock, 1:3 in Cottbus) mit null Punkten aus zwei Spielen in den neuen
Bundesländern läuten bei den Bremern nicht die Weihnachtsglocken - die
Alarmglocken schrillen.
Die Bremer sind im freien Fall. Das Nachholspiel
am Mittwoch in Unterhaching wird für die Truppe von Thomas Schaaf zur Nagelprobe.
Sollte es erneut eine Niederlage geben, sind die Grün-Weißen dem Abstieg
nahe wie nie. Nur dank des besseren Torverhältnisses müssten die Norddeutschen
dann nicht auf einem Abstiegsplatz überwintern. Vor knapp zwei Wochen, nach
dem Europapokal-Aus gegen Girondins Bordeaux, war Sportdirektor Klaus Allofs noch
darum bemüht, den Ball der Kritik möglichst flach zu halten. Vor zwei
Jahren sei man fast abgestiegen, erinnerte der Ex-Nationalspieler. Weit davon
entfernt sind die Bremer erneut nicht.
Die sportliche Führung reagiert
trotz der blamablen Leistungen nach außen noch recht gefasst. Und Allofs
nimmt Schaaf aus der Schusslinie: "Einen Trainerwechsel wird es nicht geben.
Damit würden wir es den Spielern zu einfach machen", so Allofs. In der
Tat. Als die Mannschaft gegen Schaafs Vorgänger Felix Magath intern meuterte
und zudem der Erfolg ausblieb, musste "Quälix" gehen, Schaaf wurde
geholt. Jetzt droht ihm das gleiche Schicksal.
Ganz schuldlos ist das
Gespann Sportdirektor-Manager aber nicht. Mannschaftsintern kriselt es seit langem,
ohne dass Management oder Vorstand darauf reagiert hätte. Andreas Herzog
und Frank Rost haben häufiger auf Missstände aufmerksam gemacht, sich
für ihre Kritik aber nur Rüffel von der Vereinsspitze eingehandelt.
Im Team der Bremer, so Herzog und Rost, gebe es zu wenig "Charakterköpfe".
Mit dieser Kritik, so zeigt sich erneut, haben die beiden recht. Ordnungs- und
orientierungslos, ohne Leidenschaft stolperten die Bremer in Rostock und Cottbus
über den Rasen. Von erhöhtem Einsatz keine Spur.
Ganz so, als
hätten die Werder-Profis nicht registriert, dass ihnen das Wasser bis zum
Hals steht. Nerven liegen blank Aber irgendwie müssen einige Spieler den
Druck doch verspüren. Anders sind die Aussetzer von Krstajic und Bogdanovic
in Rostock nicht zu erklären. Es wäre freilich besser gewesen, beide
hätten versucht, ihren Frust in fußballerische Energie umzuwandeln.
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