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2003
 

 
  
 

19.12.2005

10 Chancen und ein Elfmeter
Torsten Frings vom 1:1 im Nordderby enttäuscht - HSV hält Werder in der Tabelle auf Distanz

Bremen. Der Hamburger SV hat sein Vorhaben, Werder Bremen hinter sich zu lassen, zumindest nach dem Ende der Hinrunde in die Tat umgesetzt. Nach dem 1:1 gestern Abend im Weserstadion vor 42 100 Zuschauern überwintert der HSV auf dem zweiten Tabellenplatz vor dem Team von Werder Bremen, das sich mit Platz drei begnügen muss.

In einem hochklassigen Spiel schossen Micoud (45.) und Kucukovic (67.) die Tore. Die Bremer verließen mit hängenden Köpfen das Spielfeld. "Wir waren klar die bessere Mannschaft", sagte Bremens Torsten Frings, "wir hatten zehn Chancen und einen Elfmeter, aber wir haben den Sack nicht zugemacht". Dabei hätte Frings in der zweiten Halbzeit selbst das 2:0 machen müssen, doch auch er scheiterte am überragenden Hamburger Torwart Sascha Kirschstein. "Vielleicht hätte ich in dieser Szene besser auf Klose abgespielt, aber ich habe ihn leider zu spät gesehen."

Hamburgs Spielmacher Beinlich fand das Ergebnis korrekt. "Wenn man 33 Spiele in den Beinen hat, dann zeugt das schon von der Klasse der Mannschaft, dass wir bei einer solch starken Mannschaft wie Werder Bremen ein Unentschieden holen. In der zweiten Halbzeit haben wir endlich so gespielt, wie wir uns das vorgestellt hatten."

Wäre alles optimal für Werder gelaufen, wäre das Spiel schon nach einer guten Viertelstunde für die Bremer in trockenen Tüchern gewesen. Drei Mal tauchte allein Klose vor Torhüter Kirschstein auf, jedes Mal blieb der Keeper, der den verletzten Wächter zwischen den Pfosten vertritt, Sieger.

An Sascha Kirschstein schien Werder auch weiter zu verzweifeln. Ob Kopfball, ob Schuss, ob Flanke oder Freistoß - bei Kirschstein war Endstation. Bei ihm konnten sich die Hamburger bedanken, dass es zur Pause nur 1:0 für Werder stand. Kirschstein wiederum konnte sich bei Schiedsrichter Florian Meyer bedanken, dass er den Halbzeitpfiff auf dem Feld erleben durfte.

Denn er hat kurz vor der Halbzeit an Klose einen Elfmeter verursacht. Matus Kozacic, der Torwart von Slavia Prag, hat gegen den HSV am vergangenen Donnerstag im Uefa-Cup für ein ähnliches Vergehen "Rot" sah. Doch Kirschstein kam ungeschoren davon, und wuchs danach in der Heldenrolle noch über sich hinaus, als er den Elfmeter von Micoud an die Latte lenkte. Von dort sprang der Ball ins Aus.

 
 

So ähnlich war es zuvor nach einem gewaltigen Freistoß von Frings. Der Ball ging erst gegen den Pfosten, sprang von da an Kirschsteins Körper, dann an die Latte, zurück ins Feld und dann ins Aus.

Ein offensives Spiel hat der HSV-Trainer Thomas Doll angekündigt, denn "wir können gar nicht anders". Dazu kam es aber in den ersten 45 Minuten kaum, Werder war drückend überlegen. Erst Ende der Halbzeit kamen die Hamburger mit Kontern gefährlich vors Bremer Tor.

Zuvor liefen sie häufig ins Abseits. Schiedsrichterassistent Winkmann machte seinem Namen alle Ehre.

Sehr aggressiv gingen beide Mannschaften zu Werke. Florian Meyer tat gut daran, die Fouls zu unterbinden. Acht gelbe Karten waren es am Ende. Ein so geahndetes Foul von Demel an Klose führte zum Rückstand der Hamburger: Micoud nahm an der linken Strafraumgrenze Maß und zirkelte den Freistoß genau in das lange Eck der Hamburger zur verdienten Führung.

Auch in der zweiten Halbzeit bekamen die Zuschauer in der Ostkurve zunächst wenig zu sehen, denn nun belagerte der HSV auf der anderen Seite das Tor. Die Hamburger wurden wesentlich stärker, vor allem Atouba auf der linken Seite und Mahdavikia auf rechts brachten den HSV mit Schwung nach vorn. HSV-Trainer Doll wechselte Kucukovic und Takahara ein, und Kucukovic glückte, kaum dass er eingewechselt war, der Ausgleich.

Die Bremer hatten dann sogar Glück, dass Torwart Reinke zwei Mal glänzend einen Kopfball von Barbarez und einen Schuss von Wicky hielt. Sonst wäre das Erwachen noch schlimmer ausgefallen.

Author: Erich W. Willmann / Nordsee-Zeitung