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2003
 

 
  
 

23.02.2006

Der große Coup von Johan Micoud
Werders Regisseur köpft die Bremer im Achtelfinal-Hinspiel gegen Juventus Turin in der Nachspielzeit zum Sieg

Werder Bremen - Juventus Turin 3:2

Bremen. In einem unbegreiflichen Spiel und mit einer sensationellen Leistung hat Werder Bremen gestern Abend in letzter Minute im Achtelfinale der Champions League gegen Juventus Turin 3:2 gewonnen. Die Tore schossen Christian Schulz, Tim Borowski und Johan Micoud für Bremen sowie Pavel Nedved und David Trezeguet.

Nach 20 Minuten wurde die Erinnerung an das Spiel gegen den FC Barcelona wach: Ein zuvor für übermächtig gehaltener Gegner rieb sich im Weserstadion die Augen, weil Werder so spielstark war. Anders als damals schoss Bremens Druck diesmal auch Tore.

Und wenn der Treffer in der 39. Minute durch Christian Schulz nicht das 1:0 gewesen wäre, sondern das 3:0 hätte sich Juve auch nicht beschweren können.

Torsten Frings, Frank Fahrenhorst, Miroslav Klose und Ivan Klasnic hatten riesige Chancen, aber Torwart Buffon zeigte, warum Turin 56 Millionen Euro für ihn bezahlt hat: Er entschärfte selbst härteste Schüsse. Zwei Mal kam er gerade eben noch mit den Fingernägeln an den Ball.

Dass so viele Torchancen keine Zufallsprodukte sind, ist klar, aber verblüffend war doch, wie überlegen die Bremer agierten - als ob sie ein bis zwei Spieler mehr auf dem Platz hätten. Wo immer der Ball hinkam: Werder war schon da. Ebenfalls verblüffend: Die Mannschaft, die in der Rückrunde nicht einmal spielerisch überzeugte, glänzte gestern Abend. Normalerweise spielt man den Ball nicht gerade dorthin, wo viele Gegenspieler lauern, aber gestern hat Werder genau das gemacht. Weil sich alle darauf verlassen konnten, dass der eine Grün-Weiße im Pulk der Schwarz-Weißen den Ball sicher annahm und ebenso sicher zum Mitspieler weiter beförderte. Und wenn der im Gewühl stand, wiederholte er das Kunststück.

So zauberten die Profis von Trainer Thoms Schaaf den Ball durchs Weserstadion. Sie zelebrierten gleichzeitig feinen Fußspitzen-Fußball, bei dem sie den Ball nur so leicht touchierten, dass er minimal seine Richtung änderte und auf diese Weise den Gegenspieler tumb aussehen ließ.

 
 


Dass diese Eleganz so glänzen konnte, lag aber auch am Gegner: Juventus räumte während der ersten 45 Minuten die Bühne fast komplett für Werders Gala: Sie produzierten massenweise Fehlpässe und hielten respektvollen Abstand zu den Bremern. Das war nicht die mit so viel Ehrfurcht erwartete Weltauswahl des Fußballs.

Sie ließ sich sogar gerne übertölpeln. Zum Beispiel in der 39. Minute. Klasnic rettete den Ball vorm Seitenaus, hatte dann aber in Höhe des Strafraums zwei Gegenspieler vor sich, an denen mit normalen Fußballmitteln nicht vorbeizukommen war. Mit Schlitzohrigkeit dagegen schon: Er kickte den Ball mit der Hacke zur Seite, wo Schulz unbedrängt im Strafraum stand. Der Verteidiger zog ab. Und weil der Ball nicht drin war, schoss er nochmal - und endlich stand es 1:0.

Erst jetzt begriffen die Turiner Superstars, dass es ihnen an den Kragen gehen könnte. Lange zeigte nun auch Werders Abwehr ungewohnte Klasse. Und Tim Wiese hielt so sensationell, dass die Zuschauer eine Minute lang "Wiese, Wiese" brüllten. Es hörte sich an wie "Riese, Riese".

Doch allmählich erlahmte der Bremer Kombinationswirbel angesichts des Gegendrucks in der zweiten Halbzeit, Juve drückte nun, ohne zu glänzen. Trotzdem schafften Nedved und Trezeguet mit kühler Effizienz die Turiner 2:1-Führung. Werder zog den letzten Trumpf. Nach Eleganz und Abwehrschlacht boten die Profis nun Hurra-Fußball. Diese Begeisterung wurde belohnt: Kurz vor Schluss glich Tim Borowski aus. Und "le Chef" Micoud setzte in der dritten Nachspielminute per Kopf den Schlusspunkt. Wie hatte einst Trainer Thoms Schaf gesagt: "Kommt ins Weserstadion, Da ist immer was los."

Author: Torsten Melchers / Nordsee-Zeitung