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 | | | | | 23.02.2006 Der
große Coup von Johan Micoud Werders Regisseur köpft die Bremer
im Achtelfinal-Hinspiel gegen Juventus Turin in der Nachspielzeit zum Sieg
Werder
Bremen - Juventus Turin 3:2
Bremen. In einem unbegreiflichen Spiel und
mit einer sensationellen Leistung hat Werder Bremen gestern Abend in letzter Minute
im Achtelfinale der Champions League gegen Juventus Turin 3:2 gewonnen. Die Tore
schossen Christian Schulz, Tim Borowski und Johan Micoud für Bremen sowie
Pavel Nedved und David Trezeguet. Nach
20 Minuten wurde die Erinnerung an das Spiel gegen den FC Barcelona wach: Ein
zuvor für übermächtig gehaltener Gegner rieb sich im Weserstadion
die Augen, weil Werder so spielstark war. Anders als damals schoss Bremens Druck
diesmal auch Tore.
Und wenn der Treffer in der 39. Minute durch Christian
Schulz nicht das 1:0 gewesen wäre, sondern das 3:0 hätte sich Juve auch
nicht beschweren können.
Torsten Frings, Frank Fahrenhorst, Miroslav
Klose und Ivan Klasnic hatten riesige Chancen, aber Torwart Buffon zeigte, warum
Turin 56 Millionen Euro für ihn bezahlt hat: Er entschärfte selbst härteste
Schüsse. Zwei Mal kam er gerade eben noch mit den Fingernägeln an den
Ball.
Dass so viele Torchancen keine Zufallsprodukte sind, ist klar, aber
verblüffend war doch, wie überlegen die Bremer agierten - als ob sie
ein bis zwei Spieler mehr auf dem Platz hätten. Wo immer der Ball hinkam:
Werder war schon da. Ebenfalls verblüffend: Die Mannschaft, die in der Rückrunde
nicht einmal spielerisch überzeugte, glänzte gestern Abend. Normalerweise
spielt man den Ball nicht gerade dorthin, wo viele Gegenspieler lauern, aber gestern
hat Werder genau das gemacht. Weil sich alle darauf verlassen konnten, dass der
eine Grün-Weiße im Pulk der Schwarz-Weißen den Ball sicher annahm
und ebenso sicher zum Mitspieler weiter beförderte. Und wenn der im Gewühl
stand, wiederholte er das Kunststück.
So zauberten die Profis von
Trainer Thoms Schaaf den Ball durchs Weserstadion. Sie zelebrierten gleichzeitig
feinen Fußspitzen-Fußball, bei dem sie den Ball nur so leicht touchierten,
dass er minimal seine Richtung änderte und auf diese Weise den Gegenspieler
tumb aussehen ließ. |
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| | Dass
diese Eleganz so glänzen konnte, lag aber auch am Gegner: Juventus räumte
während der ersten 45 Minuten die Bühne fast komplett für Werders
Gala: Sie produzierten massenweise Fehlpässe und hielten respektvollen Abstand
zu den Bremern. Das war nicht die mit so viel Ehrfurcht erwartete Weltauswahl
des Fußballs.
Sie ließ sich sogar gerne übertölpeln.
Zum Beispiel in der 39. Minute. Klasnic rettete den Ball vorm Seitenaus, hatte
dann aber in Höhe des Strafraums zwei Gegenspieler vor sich, an denen mit
normalen Fußballmitteln nicht vorbeizukommen war. Mit Schlitzohrigkeit dagegen
schon: Er kickte den Ball mit der Hacke zur Seite, wo Schulz unbedrängt im
Strafraum stand. Der Verteidiger zog ab. Und weil der Ball nicht drin war, schoss
er nochmal - und endlich stand es 1:0.
Erst jetzt begriffen die Turiner
Superstars, dass es ihnen an den Kragen gehen könnte. Lange zeigte nun auch
Werders Abwehr ungewohnte Klasse. Und Tim Wiese hielt so sensationell, dass die
Zuschauer eine Minute lang "Wiese, Wiese" brüllten. Es hörte
sich an wie "Riese, Riese".
Doch allmählich erlahmte der
Bremer Kombinationswirbel angesichts des Gegendrucks in der zweiten Halbzeit,
Juve drückte nun, ohne zu glänzen. Trotzdem schafften Nedved und Trezeguet
mit kühler Effizienz die Turiner 2:1-Führung. Werder zog den letzten
Trumpf. Nach Eleganz und Abwehrschlacht boten die Profis nun Hurra-Fußball.
Diese Begeisterung wurde belohnt: Kurz vor Schluss glich Tim Borowski aus. Und
"le Chef" Micoud setzte in der dritten Nachspielminute per Kopf den
Schlusspunkt. Wie hatte einst Trainer Thoms Schaf gesagt: "Kommt ins Weserstadion,
Da ist immer was los."
Author:
Torsten Melchers / Nordsee-Zeitung |
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